SchäksBier

SchäksBier

„Bier oder nicht Bier – das ist hier die Frage.“ Erster Akt, erste Szene, zweite Halbe

Hobbybrauerei · Halle an der Saale · Elf Rezepte seit 2016

Prolog

Am Anfang stand ein Landbier.

2015, ein fertiges Brauset zum Geburtstag. Meine bessere Hälfte ahnte vermutlich nicht, was sie damit anrichtet – und erst einmal stand das Set eine Weile herum.

Dann, im Februar 2016, ein Brautag in einer Museumsbrauerei. Zwei Wochen später war das Geschenk endlich dran: Das Landbier entstand mit den besten Freunden im gerade erst ausgegrabenen Entsafter. Gemessen wurde schon damals, zuerst mit dem Refraktometer, später mit der genaueren Bierspindel. Danach war es endgültig um mich geschehen.

Seitdem wird gebraut. In überschaubaren Mengen, für den eigenen Bedarf und den Freundeskreis, und wie immer mit deutlich zu wenig Zeit. Weggeschüttet wurde übrigens noch nie etwas – getrunken wurde alles. Nur eben manches lieber als anderes.

Reihe gefüllter Bügelflaschen und Krüge auf einem Tisch
Der Brautag in der Museumsbrauerei, Februar 2016 – zwei Wochen vor dem ersten eigenen Sud.

Rückblende

Vom Entsafter zum Sudhaus

Zehn Jahre Ausrüstung, in der Reihenfolge ihrer Anschaffung – und mit steigendem Anteil an Elektronik.

  1. 2016

    Zusammengesucht

    Nach dem Brauset blieb der Entsafter einfach stehen – befördert zum Sudkessel, dazu Windeltücher zum Abseihen. Mehr war es am Anfang nicht. Unelegant, umständlich, und es hat funktioniert.

    Schäumende Würze in einem alten Entsafter, daneben ein Holzpaddel
    Der Entsafter im Einsatz.
    Emaillierter Entsaftertopf mit eingehängtem Temperaturfühler, daneben ein Glas Bier
    Derselbe Topf, leer. Der Fühler hängt schon drin.
    Eimer mit abgesetztem Treber und einem Filtertuch auf einem Gestell
    Abseihen, erste Ausbaustufe. Der Treber bleibt im Tuch zurück.
  2. Bald darauf

    Die Schrotmühle

    Malz will geschrotet werden, und zwar richtig: aufgebrochen, nicht zermahlen. Eine eigene Mühle war deshalb eine der ersten ernsthaften Anschaffungen. Angetrieben wird sie bis heute vom Akkuschrauber – es gibt Eleganteres, aber nichts Zuverlässigeres.

    Seit einigen Jahren ist das Schroten ohnehin nicht mehr meine Aufgabe. Das übernimmt der Nachwuchs, und zwar mit deutlich mehr Begeisterung, als ich sie je dafür aufgebracht habe.

    Schrotmühle mit Akkuschrauber auf dem Tisch, daneben Säcke mit Malz
    Mühle, Akkuschrauber, Malzvorrat.
    Akkuschrauber treibt die Schrotmühle an, darüber der gefüllte Malztrichter
    Der Antrieb. Die Hand am Abzug gehört inzwischen dem Nachwuchs.
  3. 2016

    Ein Arduino wird Thermometer

    Was schnell fehlte, war ein digitales Thermometer mit Alarm und einstellbaren Temperaturbereichen. Fertig kaufen? Wäre naheliegend gewesen. Stattdessen wurde kurzerhand ein Arduino mit etwas Hardware verheiratet – und siehe da, es funktioniert.

    Bis heute überwacht das Gerät die Temperatur des Nachgusses beim Anschwänzen. Neun Jahre ohne Absturz: Damit schlägt es die meiste Software, mit der ich beruflich zu tun habe.

    Arduino mit LCD-Display auf einem Steckbrett, umgeben von Kabeln und Werkzeug
    Der Prototyp auf dem Steckbrett.
    Innenleben des fertigen Thermometers: Platine und bunte Verdrahtung in einem schwarzen Gehäuse
    Das Innenleben. Bunt verdrahtet, aber es hält.
    Selbstgebautes digitales Thermometer mit blauem Display neben einem Sudkessel
    Und so sieht es am Brautag aus.
  4. Seither

    Alles in einem Kessel

    Irgendwann kam der Brewmonk und ersetzte die halbe Werkstatt: ein Kessel, in dem eingemaischt, geläutert und gekocht wird, mit mehreren Läutersieben und rund 25 Litern trinkbarer Ausbeute pro Sud. Dazu ein eigener Trichter mit Hopfenfilter, eine Kühlspirale für den Sprung von Kochtemperatur auf Anstelltemperatur – und seither ein stetig wachsender Stapel Zubehör, weil sich an so einem Gerät immer noch etwas verbessern lässt.

    Der Treber setzt sich, die Würze läuft klar ab, und zum ersten Mal sieht das Ganze aus wie ein Handwerk und nicht wie ein Unfall in der Küche.

    Würze läuft durch einen Trichter mit Filtertuch in einen Eimer
    Ablauf durch Trichter und Hopfenfilter, dahinter der Kessel, der inzwischen fast alles macht.
    Klare Würze in einem weißen Eimer
    Was dabei herauskommt.
    Maische unter einem Siebdeckel im Freien
    Zwischenstand an einem Brautag im Freien.
  5. Zutat

    Der Hopfen, in Person

    Pellets oder Dolden – beides, je nach Stück. Die Dolden sehen besser aus, saufen aber mehr Würze weg. Auch das ist ein Konflikt, den schon andere vor uns hatten.

    Zwei Schalen mit Hopfenpellets und Hopfendolden neben einer Waage
    Links Pellets, rechts Dolden. Beide haben Recht.
    Hopfendolden im Sudkessel
    Kurz vor dem Untergang.
  6. Ein Akt für sich

    Die Flaschen in der Dusche

    Damals wurde noch mit Speise abgefüllt und in der Flasche nachvergoren, verschlossen mit Kronkorken und einer Handzange, die recht früh angeschafft wurde. Meistens geht das gut. Zweimal ging es das nicht.

    Zwei Flaschen haben dem Druck nicht standgehalten und sind zerplatzt – vermutlich half die Kombination aus Sommerwärme, schwankenden Temperaturen und liegender Lagerung nach. Noch Jahre später fand ich in der Brauwerkstatt Scherben auf den obersten Regalbrettern. Das ist der eine Punkt, an dem der Spaß aufhört: Glas unter Druck ist kein Scherz, und wer in Flaschen nachvergärt, sollte sie kühl, stehend und nicht neben dem Kopfende lagern.

    Als es dann kurz nach einem Abfülltag in den Urlaub ging, wanderten sämtliche Kisten vorher in die Dusche. Wenn schon etwas nachgibt, dann bitte dort, wo ein Abfluss ist. Diesmal ist nichts passiert. Nachgesehen habe ich trotzdem als Erstes.

    Mehrere Bierkisten stehen in einer Duschkabine
    Die sicherste Ecke der Wohnung.
  7. Abfüllung

    Drei Fässer und eine Waage

    Flaschen sind schön, aber das Spülen und Verschließen kostet einen halben Abend – und die Dusche wird auch anderweitig gebraucht. Deshalb gehen die rund 25 Liter eines Suds heute in 10-Liter-Soda-Kegs, von denen inzwischen drei bereitstehen.

    Abgefüllt wird auf der Waage. So weiß man auf das Gramm genau, was in welchem Fass steckt – und muss später nicht raten, ob sich das Anzapfen noch lohnt.

    10-Liter-Soda-Keg mit Manometer auf dem Arbeitstisch
    Ein Keg, ein Manometer, ein Notizbuch.
    Keg mit Zapfhahn und einem gefüllten Glas daneben
    Der Moment, für den das alles gemacht wird.
  8. Neuzeit

    Ein Gärspund mit WLAN. Natürlich.

    Blasenzähler, WLAN, App – denn warum sollte man nachts neben dem Gäreimer sitzen, wenn man ihm auch vom Sofa aus zusehen kann. Die Hefe spielt ihr Stück damit vor Publikum, und man sieht ihr beim Auftritt zu, ohne das Zimmer zu betreten.

    App-Ansicht: 88 Blasen pro Minute, 22,6 Grad, 0,2 Prozent Alkohol
    88Blasen pro Minute 0,2 % – der Vorhang geht auf.
    App-Ansicht: 129 Blasen pro Minute, 22,5 Grad, 1,0 Prozent Alkohol
    129Blasen pro Minute 1,0 % – jetzt wird gearbeitet.
    App-Ansicht: 136 Blasen pro Minute, 22,3 Grad, 1,5 Prozent Alkohol
    136Blasen pro Minute 1,5 % – der Höhepunkt.
    App-Ansicht: 0 Blasen pro Minute, 22,6 Grad, 5,5 Prozent Alkohol
    0Blasen pro Minute 5,5 % – Vorhang.

    510.057 Blasen · 625,62 Liter CO2 · ein einziger Sud

  9. Versuchsreihe

    Haferflocken für die Krone

    Haferflocken in der Schüttung sollen den Schaum stabiler machen. Das tun sie. Manchmal tun sie es so gründlich, dass das Ergebnis weniger nach Bier aussieht als nach Softeis.

    Beschwert hat sich bisher niemand. Die Krone steht noch, wenn das Glas längst leer ist.

    Glas Bier mit einer hohen, weichen Schaumkrone vor einem Keg
    Frisch gezapft. Die Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen.
    Zwei Humpen helles Bier mit dicker Schaumkrone auf einem Tisch
    Zu zweit schmeckt das Experiment am besten.
  10. Seit 2023

    Kalt, dunkel, langsam

    Irgendwann kam der Wechsel zur Untergärung. Pils statt Ale heißt: kühlere Gärung, deutlich längere Reifung – und ein großer Kühlschrank, der in den Brau-, Gär- und Lagerwochen zum größten Teil vom eigenen Bier belegt ist. Ein Eckchen für die alltäglichen Kühlwaren findet sich aber immer.

    Beschleunigen lässt sich daran nichts, und genau das ist der Punkt. Es sind ausgerechnet diese beiden Pilsbiere geworden, die ich am liebsten trinke. Geduld schmeckt man offenbar.

Dramatis Personae

Die Besetzung,
in der Reihenfolge des Auftretens

Elf Rezepte in zehn Jahren. Einige haben es zur Fortsetzung gebracht, andere standen nur eine einzige Vorstellung lang auf der Bühne – und bei der einen oder anderen bin ich mir heute nicht mehr sicher, wie oft sie eigentlich gespielt wurde.

  1. Landbier Februar 2016

    Ein Brauset zum Geburtstag, die besten Freunde und ein frisch ausgegrabener Entsafter. Schuld an allem, was danach kam.

    14,9 °P

  2. BlueCap Ale Juni 2016

    Das Debüt. Entsafter, Windeltuch und eine bemerkenswerte Portion Zuversicht.

    13,3 °P · 5,2 % vol · 60 IBU

  3. BlueCap No 2 Mai 2017

    Die Fortsetzung – bekanntlich die schwierigere Übung.

  4. Maibock Oktober 2017

    Ein Maibock, der erst im Oktober fertig wurde. Auf dem Etikett heißt er deshalb Bocktoberbier.

    15,0 °P · 6,6 % vol

  5. DreierHop IPA Mai 2018

    Drei Hopfensorten, und ein Name, der nichts verschweigt.

    16,0 °P · 6,9 % vol · Simcoe, Chinook, Mosaik

  6. Rotbart IPA März 2020

    Der erste Sud eines Frühjahrs, in dem plötzlich sehr viel Zeit zu Hause anfiel.

  7. Macduff IPA Juni 2020

    Der Erste mit echtem Shakespeare im Namen. Aus dem Macbeth, und wie dort: niemand hat es kommen sehen.

  8. Circuit Breaker IPA Macduff 2 November 2020

    Herbst 2020, als „Circuit Breaker“ der Name für den kurzen Lockdown war. Sieben Hopfensorten – Zeit hatte man ja.

    16,5 °P · 7,0 % vol · sieben Hopfensorten

  9. Herne The Hunter IPA Mai 2021

    Der Jäger aus den Lustigen Weibern von Windsor. Geht erstaunlich gut im Wald.

  10. Hoppy Pils Lager Februar 2023

    Untergärig. Also: kalt, langsam und geduldig. Ein ganz anderes Stück.

  11. Hoppy Pils V2.0 Lager Mai 2024

    Weil bei Version 1.0 noch Luft nach oben war. Diese beiden sind, unter uns, meine liebsten geworden.

Helles Bier mit Schaumkrone im Tulpenglas
Drei Flaschen DreierHop IPA mit eigenem Etikett
Bierflasche mit Etikett neben einem eingeschenkten Glas
Dunkleres Bier im Glas neben einer braunen Flasche
Kiste mit frisch verschlossenen Bierflaschen
Gefülltes Bierglas auf einer Mauer im Grünen

Kleine Hausdruckerei

Die Etiketten

Solange in Flaschen abgefüllt wurde, bekam jeder Sud sein eigenes Etikett. Seit die Kegs da sind, ist diese Disziplin etwas eingeschlafen.

Die frühen liefen noch unter Gesellschafts HausBräu. Das Haus im Hintergrund ist dabei kein Zierrat, sondern die Braustätte selbst: ein Denkmal mitten in der Stadt, in dem damals gebraut wurde und heute noch gebraut wird. Das Circuit Breaker IPA von 2020 war das erste Etikett mit dem heutigen Logo – ein Jahr später wurde die Marke eingetragen.

Etikett des Landbiers
Landbier, der allererste.
Etikett des Blue Cap IPA
Blue Cap IPA, 60 IBU.
Etikett des Bocktoberbiers
Bocktoberbier – ein Bock, der es nicht in den Mai geschafft hat.
Etikett des DreierHop IPA
DreierHop IPA. Der Name ist Programm.
Etikett des Circuit Breaker IPA mit dem SchäksBier-Logo
Circuit Breaker IPA – das erste mit dem neuen Logo.

Die Braukunst

Ein Sud in fünf Akten

  1. I. Akt

    Maischen

    Malz begegnet heißem Wasser. Die Charaktere werden eingeführt, erste Verwicklungen deuten sich an. Temperatur ist alles.

  2. II. Akt

    Läutern & Anschwänzen

    Die Spreu wird vom Weizen getrennt, beziehungsweise vom Treber. Ein langsamer Akt, in dem vor allem gewartet und geflucht wird.

  3. III. Akt

    Kochen & Hopfen

    Der Höhepunkt. Es wird heiß, es wird bitter, und irgendetwas kocht garantiert über. So will es die Dramaturgie.

  4. IV. Akt

    Gärung

    Die Hefe arbeitet im Verborgenen. Früher lag man nachts wach und horchte auf das Gärröhrchen. Heute schaut man in die App.

  5. V. Akt

    Reifung

    Warten. Nichts als Warten. Der eigentliche Konflikt des Stücks spielt sich zwischen Braumeister und Kalender ab.

Epilog

Was übrig bleibt

Nach dem Läutern bleibt der Treber. Wegwerfen kommt nicht in Frage.

Er wandert portioniert ins Gefrierfach und kommt Wochen später als Treberbrot zurück: dunkel, saftig, mit dem Geschmack des Suds, aus dem es stammt. Wer einmal den Morgen nach einem Brautag mit einer Scheibe davon begonnen hat, friert ab da jedes Mal ein.

Portionierter Treber in beschrifteten Gefrierbeuteln
Portioniert und beschriftet. Wie im Labor, nur essbar.

Zur Marke

Was in einem Namen steckt

Wer den Namen laut ausspricht, hat den ersten Witz. Die anderen beiden stehen im Logo und werden gern überlesen.

Seit 2021 ist SchäksBier als Marke eingetragen. Diese Seite ist der Anfang, nicht das Ende: Sudprotokolle, Rezepte und die eine oder andere ehrliche Fehleranalyse folgen.

Detail des Logos: der untere Bogen des S mit zwei sechsstrahligen Sternen
Das S. Ein liegender Bogen, zwei Sterne. Wer aus Halle kommt, braucht dazu keine Erklärung – und weiß auch, warum hier „Schäks“ steht und nicht Shakespeare.
Detail des Logos: der Kopf im Buchstaben B
Das B. Gebraut hat der Herr darin nie. Aber er wusste besser als die meisten, dass jede gute Geschichte fünf Akte und ein Getränk braucht. Und sein Vater brachte es in Stratford-upon-Avon immerhin zum ale taster – ein Amt, das Maß und Güte von Bier und Brot zu prüfen hatte. Ganz weit weg vom Sudkessel war die Familie also nie.